Tag zwei im HomeOffice ist geschafft. Wahnsinn. Ohne Ende Ideen von allen, wie wir die Zeitung weiter mit Eigenanzeigen füllen können und die Leser und Leserinnen daran beteiligen können.
Ein besonderer Auftrag forderte meine Fälscher-Qualitäten: Ein Presseausweis!
Ein Presseausweis für den kleinen Hannes. Hannes gehört mittlerweile zur Lokalprominenz in Solingen. Sein Papa – Gunnar Freudenberg – berichtet wöchentlich über „Sein Leben als Papa“ und das schrecklich sympathisch, ehrlich und wirklich lustig. So haben wir alle das Gefühl ein Teil von Hannes Kindheit zu sein.
Der Verleger möchte dem kleinen Hannes nun eine kleine Freude machen und hat mich beauftragt ihm einen Presseausweis anzufertigen. Dieser ist natürlich, ähnlich wie ein Personalauswaus o. ä., durch verschiedene Sicherheitsmaßnahmen fälschungssicher gemacht.
Was soll’s. Kriege ich schon hin. Wozu hat man denn das Internet. Flugs eine „Vorlage“ aus dem Netzt gezogen, diverse Dinge aus dem Bild rausretuschiert, Foto und Daten von Hannes rein und Zack – haben wir einen kleinen Presseausweis. Alles halb so wild, man sieht natürlich trotzdem noch, dass er nicht echt ist.

Mein Blick schweift immer mal wieder zum Fenster und da – auf der gegenüberliegenden Straßenseite: NIL! Die Nachbarskatze. Ich kippe das Fenster an und schon habe ich ihre Aufmerksamkeit. Sie läuft sofort über die Straße. Ist derzeit zum Glück nicht so gefährlich, sind ja kaum Autos unterwegs.
Ich lasse NIL rein und sie begibt sich auf die übliche Tour durch die untere Etage. „Ein Glück, die Menschen haben aufgeräumt.“ Wie immer gibt es für Nil ein leckeres Lachs-Sticki. Und zack – einmal nicht aufgepasst – da sitzt sie auf der Tastatur und schaut sich zwischen den Monitoren um. Das mit der Tastatur scheint mir nicht die beste Idee zu sein, das sage ich ihr auch und sie hört.
Zu spät. Alle meine Mails von heute sind mit einem roten Fähnchen gekennzeichnet. Blöd. Aber nicht tragisch. Lässt sich beheben. Trotzdem lerne ich daraus: Katze nicht auf Tastatur. Könnte auch anders ausgehen.
HomeOffice ist auch nichts für Nil, sie verliert schnell das Interesse und setzt sie lieber auf ihr Fensterbrett und beobachtet die Lage draußen. Wie Freigänger das wohl empfinden? Fällt ihr auf, dass etwas anders ist? Dass kaum noch Menschen auf der Straße sind? Gibt es womöglich Nachbarn, die sie nicht mehr ins Haus lassen?
Nach einer kurzen Schmusi-Einheit bei Timo sitzt Nil auch schon wieder an der Haustür, d. h. „Lass mich raus, ich hab zu tun.“ Und weg ist sie wieder. Bis zum nächsten Mal.

Am Nachmittag brauchte ich dringend frische Luft. Diese HomeOffice-Sache ist ja wirklich praktisch, aber man sitzt definitiv mehr. Klar, die Wege zu den Kollegen fallen weg. Die frische Luft ist auch weniger. Ich mache zwar Pause, aber irgendwie bleibt man dabei eben auch drinnen. Der Kaffee mit den Lieblingskollegen ist eben doch kurzweiliger und den würden wir jetzt wahrscheinlich im Außenbereich der Solinger Cafés trinken.
Aber gut. Nützt ja nix.

Frische Luft muss trotzdem an und in den Kopf. Ich brauche auch dringend Bewegung. Sport fehlt mir schon sehr. Auch wenn man sich oft zu körperlicher Ertüchtigung zwingen muss, wenn man nicht mehr darf, fehlt es. So ist es ja irgendwie immer.

Also Laufschuhe geschnürt, Mütze aufn Kopp und los. Raus in die Sonne. Und es war herrlich. Die Straßen sind nicht so leer, wie ich es gedacht hätte. Aber alle ganz anständig zu zweit oder eben mit den Kindern. Man weicht sich aus, aber grüßt sich freundlich.
Und nein, da war es nicht das Gefühl. Ich weiß nicht, ob es schon Normalität geworden ist, aber es hat sich nicht komisch angefühlt. Umso besser.
Die Runde hat gut getan. Die frische, kalte, klare Luft. Die Bewegung. Danach eine schöne heiße Dusche und dann ab auf die Couch.
Ich habe die Serie „Modern Family“ für mich entdeckt. Wobei das falsch ist. Wie das immer so ist, mir wurde schon ganz oft davon erzählt „Das musst du gucken!“, „Superlustig!“.
Ich brauche irgendwie immer länger, bis ich dann wirklich loslege. War bei „Game of Thrones“ auch so und dann – was soll ich sagen – konnte ich nicht mehr aufhören und letztes Jahr habe ich auch zu denen gehört, die der letzten Staffel und dem Finale entgegengefiebert haben.

Den Abend verbringen wir vor der Glotze mit der Mediathek der ARD. Ich wollte gern mal „Unsere wunderbaren Jahre“ sehen. Eine Film-Serie über die ersten Jahre nach dem zweiten Weltkrieg. Das Besondere – für mich – Teile des Films wurden in Solingen gedreht. Irgendwie bescheuert, aber es macht doch immer wieder Spaß in Serien oder Filmen, Orte zu entdecken die man kennt oder an denen man auch selbst schon war. „Guck mal, das kenn ich.“. Oder „Guck mal, da waren wir letztens noch.“.

Für mich geht es gegen 22.30 Uhr ins Bett. Ich möchte unbedingt in meinem normalen Rhythmus bleiben. Lange wachgeblieben wird am Wochenende. ?

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