Leute, ich bin müde. So müde. Also irgendwie auch nicht wirklich müde. Eher träge. So runtergefahren. Irgendwie im Stromsparmodus. Gestern habe ich es noch auf den Sonntag geschoben, dafür ist er ja da – zum Nichtstun. Aber heute hätte ich auch einfach weiter liegen bleiben und nur vor mich hin atmen können.
Aber: Nützt ja nix. Die Arbeit hat gerufen und wenn die Arbeit ruft, stehe ich parat. So, wie es sich gehört.
Auch wenn es mich eine Menge Eigenmotivation gekostet hat. Ich habe mir meinen Tee gekocht, mein 11 Uhr-Müsli vorbereitet und die Technik hochgefahren. Der Tag konnte beginnen.
Ich denke aber, dieses Gefühl des „Runtergefahren“-seins, quasi „All systems down“, umschreibt es ganz gut. Klar, wir haben einen Alltag in dieser besonderen Situation, aber für mich – wie für viele von euch – ist es eben ein ganz anderer. Für Timo z. B. hat sich gar nicht so viel geändert. Er hat schon immer sein Büro hier im Haus gehabt und den Großteil seiner Arbeit digital erledigt und Kollegen, die um ihn rumschwirren, hat er hier nicht.
Für mich ist HomeOffice, wie ich jetzt merke, eine absolute Umstellung. Normalerweise flitze ich hin und her, quatsche hier, quatsche da, habe viel Kontakt zu den Kollegen, habe vor allem mein „echtes“ Büro, was wiederum heißt, dass ich mich morgens komplett fertig machen muss. Also duschen, schminken, ordentlich anziehen, nicht nur Joggingbuchse und T-Shirt. Dann noch die Autofahrt ins Büro, ggf. der erste Weg zum Bäcker, mittags dann die Pause draußen mit den Kollegen usw. usw.
Ein Großteil dieser Routine ist jetzt seit zwei Wochen weg. Und ich merke, dass es mir fehlt und der Grund für meinen kleinen körperlichen Shutdown ist. Normalerweise bin ich irgendwie immer unterwegs, irgendwas ist immer zu erledigen. Ich brauche nicht jeden Tag eine Party – Gott bewahre. Aber eben diese alltäglichen Dinge: Erledigungen, Besuche, Verabredungen, Sport im Studio mit Freunden – eben das gesamte soziale Leben.
Zum Glück bin ich ein Mensch, der sich gut selbst antreiben kann. Nur, weil mal etwas nicht ganz so leicht geht, muss und darf man noch lange nicht resignieren. Ich gehe also weiter joggen und mache Sport und vor allem verliere ich mein Pflichtbewusstsein nicht.

Ich habe mir eben ein Instagram-Video von Oliver Pocher angesehen. Man muss ihn nicht mögen, aber er bringt Dinge auf den Punkt. Er verbringt seine Zeit in der Quarantäne mit der Kritik von Influencern und Co. Er kritisiert deren Verhalten in den sozialen Medien, nicht nur, dass sie ihren Followern eine vollkommen unechte Realität vorleben, nein, sie bewerben jetzt auch noch die Apps und Programme, mit denen sie täglich mehrere Stunden Fotos, Videos – quasi ihr ganzes Leben – bearbeiten und den schönen Schein erzeugen (dazu auch heute das Tages-Foto ?)
Zitat Oliver Pocher: „Warum gibt es keine Filter, die schlauer machen?“ Vor allem aber kritisiert er – m. E. nach zu Recht – die Zur-Schau-Stellung und Vermarktung der Influencer-Kinder sowie die Vermarktung einer Vielzahl von unnützen Produkten.

Ja, er wählt krasse Worte und es scheint als würde er die Influencer mobben und angreifen, aber er hat nicht Unrecht und mit seiner Art erweckt er eben die nötige Aufmerksamkeit.
Ich meine, das muss man sich mal überlegen – die haben wenig bis garnix gelernt, also Abschluss oder Ausbildung geschweige denn Studium. Es gibt einzelne Ausnahmen, ja, aber dann ist es ja noch grausamer. So wird Wissen und eine gute Ausbildung verschwendet, eine berufliche Zukunft in die Tonne getreten. Und für was?!?! Für die Pseudo-Währung Follower und Likes. Für einige Wochen im social-media-Rampenlicht.

Man kennt diese ganzen „Promis“ ja auch überhaupt nicht. Will ich auch gar nicht. Die schwappen aus irgendwelchen Reality-Shows in die sozialen Medien – wobei ja hier auch nicht eine Show reicht. Nein, man prostituiert sich (ja, das meine ich auch so) in zig Sendungen. Es wird auch mittlerweile nicht mehr damit hinterm Berg gehalten, dass man sich nur für den „Fame“ so zur Schau stellt und zum Affen macht. Und zack sind Lieschen Müller und Kevin aus dem 3. Stock auch schon „Personen des öffentlichen Lebens“ und erklären sich zu offiziellen Berufs-Influencern. Viel schlimmer aber noch, sie avancieren zu Vorbildern für den Nachwuchs. Noch schnell in ein paar Tattoos, Haar-Extensions, Fake-Nägel und gebleachte Zähne investiert und schon haben wir ihn: den Proto-Typen des 0815-Influencers.
Das ist ja das, was in meinen Augen, so richtig gefährlich ist. Dass soziale Medien heute nicht mehr wegzudenken sind – okay, ich habe auch Accounts. Aber, dieser Zirkus der Kuriositäten aus dürren, operierten, gephotoshopten Zombies, lebt seinen Followern nicht nur vollkommen absurde, unrealistische, gefakte und teils gefährliche Schönheits-Ideale vor. Nein, die machen auch noch Werbung für vollkommen überflüssige, überteuerte und schwachsinnige Produkte. Das ist doch der Gipfel.
Nichts an dem ganzen Getue ist echt. Nichts. Geschweige denn die Wirkung der vielen angepriesenen Tees, Pülverchen und Cremes. Die Darsteller sind ja sogar im echten Leben schon kaum noch echt. Fake-Haare, Fake-Nägel, gebleichte Zähne, aufgespritzte Lippen, Fake-Wimpern, Tonnen von MakeUp und das am liebsten permanent, diverse Implantate an den bekanntesten und auch unmöglichsten Stellen bis hin zu entfernten Rippen und gebotoxten Füßen, damit man die HighHeels besser erträgt. Und da diese Grusel-Show noch immer nicht ausreicht, werden Bilder und Videos noch so lange bearbeitet, bis auch wirklich kein vermeintlicher Makel mehr zu sehen ist. Vollkommen absurd. Krank – im wahrsten Sinne des Wortes!!! Ich bin überzeugt, dass hinter diesen Existenzen, oftmals ganz traurige Geschichten stehen, die mittels Masken und Filter jeglicher Art verborgen werden.

Nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Schönheits-Chirurgie. Im Gegenteil. Aus medizinischen bzw. gesundheitlichen Gründen, kann sie einem sehr helfen und auch wenn das eigene Selbstbewusstsein unter Narben oder zu kleinen oder großen Brüsten leidet, bin ich damit vollkommen einverstanden. Oder Schönheits-Operationen, um Menschen z. B. nach einem schweren Unfall oder überstandenem Brustkrebs zu helfen. Da sage ich ganz klar: Toll, dass es so etwas gibt.
Aber um vermeintlichen Idealen hinterher zu laufen und den Blick für sich selbst vollkommen zu verlieren bzw. ein vollkommen verzerrtes Selbstbildnis zu entwickeln. Nein, Danke.

Aber hier spielt wohl auch Geld wieder eine große Rolle. Das Geschäft mit der Schönheit und Eitelkeit der Menschen ist ein riesiges und lukratives. Die Menschlichkeit und Vernunft bleiben hier leider zu oft außen vor.

Der Gipfel dieser Zur-Schau-Stellung auf allen Kanälen ist für mich die Veröffentlichung jeglichen Privatlebens. Das muss man sich mal vorstellen – da wird seit der DSGVO alles getan, um unsere privaten Daten zu schützen, wir wollen bloß nicht zu gläsern sein – aber diese narzisstischen Exhibitionisten, zeigen uns alles. ALLES!
Vom Suchen und Finden der großen Liebe, über das erste Date, zum ersten Kuss, das erste gemeinsame Frühstück, den ersten Streit, das Zusammenziehen, den gemeinsamen Alltag – alles total schööööööööön. Knutschaaaaa. Und selbst der eigene, erbärmliche Versuch, es privat zu halten, scheitert meist nach wenigen Tagen. „Weil wegen der Community!“
Und plötzlich: Alles aus!! Und dann geht’s erst richtig los. Also nachdem die Trennung tränenreich via Instagram-Story verkündet wurde, gern mit den Sätzen „Mehr werden wir dazu nicht sagen. Bitte respektiert jetzt unsere Privatsphäre“. Moment, ich lache kurz.
Im Anschluss wird sich gegenseitig in Insta-Stories, Postings, Bildern, Boulevard-Medien zerrissen und jedes noch so dreckige Geheimnis ausgepackt.
<Ironie on> Es ist immer wieder erstaunlich, wie langlebig diese öffentlich gelebten Beziehungen sind. Also zwischen respektablen 4 Wochen bis hin zu 3 Monaten ist da alles dabei. Ob das ggf. mit der Veröffentlichung jeglicher privaten Details zu tun hat!?!? Hmm??
Aber meist ist zum Glück schon nach kurzer Zeit die nächste, und diesmal ganz bestimmt „einzige, wahre und größte aller Lieben“ gefunden. <Ironie off>

Wer es aber schafft seine Beziehung länger als 6 Monate in der Öffentlichkeit zu zelebrieren ist bereit für die nächste Stufe. DIE SCHWANGERSCHAFT! Von der frohen Botschaft an den Partner, über die Ultraschallbilder, Baby-Kugel-Fotos, Gewichtszunahme-Updates, Verkündung des Geschlechts, bis hin zu – selbstverständlich – Fotos aus dem Kreißsaal. Hier ist für jeden etwas dabei. Denn, die Community möchte das alles wissen, man möchte uns teilhaben lassen.
Hähhh?!?! Also mich hat keiner gefragt.

Nicht falsch verstehen. Jeder neue Erdenbürger ist herzlich willkommen. Besonders innerhalb der eigenen Familie. Aber das ist doch das intimste Glück, das es geben kann. Das hat in diesem Ausmaß nichts im Internet zu suchen!

Jetzt ist der Influencer-Nachwuchs auf der Welt und was liegt da nahe? Zwei Dinge: 1. Wir vermarkten unser Kind und unser Kind bekommt natürlich auch seinen eigenen Insta-Account – voll sweet! 2. Wir verloben uns öffentlich und vermarkten dann unsere Hochzeit.
Es ist eine never-ending Pest, die sich da über die Jahre entwickelt hat. Und ich persönlich, bin immer wieder fassungslos. Zum einen hat mein Privatleben und die damit verbundenen Höhen und Tiefen nichts in der Öffentlichkeit zu suchen. Für meine Höhen und Tiefen habe ich viele liebe Menschen in meinem echten Leben, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen und die mich – ganz wichtig – auch wirklich kennen. Ich brauche keine Community, die nur meint mich zu kennen, der ich mit der Veröffentlichung meines Lebens einen Freibrief gebe, über mich und mein Leben zu urteilen, mich zu bevormunden, mich zu erniedrigen (der berühmte Shit-Storm) oder um mir zu sagen, wie gut ich doch auf meinen vollkommen unrealistischen Bildern kurz nach dem Aufstehen schon wieder aussehe.

Oh, ich glaube, ich habe mich da jetzt ein bisschen reingesteigert. Warum ich mich mit Influencern und deren Aufgabengebieten so vermeintlich gut auskenne und mir eine Meinung anmaße, werden sich jetzt vielleicht einige fragen. Zu Recht. Ich be- und verurteile hier etwas, was ich schwachsinnig finde und wovon ich eigentlich gar nicht so viel Ahnung habe. Stimmt. Ich beurteile lediglich das, was ich sehe und so nebenbei mitbekomme. Ich könnte mich wahrscheinlich auch von Nachrichten und Postings dieser Berufsgruppe fern halten, aber mittlerweile kommt man an den Storys und Lebensgeschichten der Protagonisten ja schon gar nicht mehr vorbei. Und spätestens beim nächsten Dschungel-Camp muss ich ja wissen, wer da drin ist ?

Ich bewege mich selbst auch in den sozialen Medien und ich nutze sie. Beruflich und privat. Und vor allem privat nutze ich sie recht zurückhaltend. Ja, ich poste Fotos, aber selten bin ich selbst zu sehen. Und vor allem bleibt mein Privatleben auch privat. Ich gebe maximal einen oberflächlichen Einblick und teile gern Dinge, die ich einfach schön finde. Timo z. B. möchte nicht in social media stattfinden. Und das ist sein gutes Recht und das hat dann auch jeder so zu akzeptieren.
Und jetzt schreibe ich einen Blog, auch öffentlich und Timo wird erwähnt. Ja, das ist richtig. Aber: Timo ist einverstanden und ich dosiere ihn in Maßen ? und ich habe definitiv nicht die Reichweite eines „Promis“, die möchte ich auch gar nicht haben. Die Menschen, die meine Ergüsse lesen sind meine Familie und Freunde, Menschen, die ich kenne, Menschen, die mich kennen. Und so soll es sein. Was nicht heißt, dass ich mich nicht freue, wenn ihr den Blog an eure Freunde und Familienmitglieder weiterleitet, weil sie sich davon vielleicht auch unterhalten fühlen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich freue mich nicht über neue Leser und über positives Feedback.

So. Genug davon. Aber ich finde das wirklich erschreckend und vielleicht bin ich mit 40 zu alt, um dafür ein toleranteres Auge zu haben. Aber: Mein Blog, meine Meinung.

Fazit zum Thema Influencer: Als Hobby, bitte, aber sie sollten ihr Privatleben, ihre Partner und vor allem ihre Kids da raushalten. Als „Beruf“ – von mir aus, aber doch gerne mit BackUp. Täglich schwappen mehr von diesen Internet-Sternchen auf den Markt. Und wie die Himmelslichter, verglüht auch dieser Fame schnell wieder.

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