So, Freunde der gepflegten Gartenarbeit, es geht in die nächste Mohnrunde. Wie angekündigt war ich im Baumarkt und habe neben neuer Blumenerde, Samen für Mohnblumen gekauft. Und nicht irgendein Mohn, nee, nee. Es ist türkischer Riesen-Mohn. Ja, so steht es auf der Tüte drauf. Die Pflanzen, 25 sollen sich wohl in dem kleinen Tütchen verstecken, können 80-90 cm hoch werden. Wir werden sehen. Ich habe die Samenkörner samt Wasser jetzt mal in die wilde Wiese gekippt. Den Rest überlasse ich der Natur. Wenn am Ende von 25 versprochenen 5-10 türkische Riesen-Mohnblumen da wachsen, bin ich mehr als zufrieden. Zumal sich Nil, die Katze dann auch noch wohler fühlen wird, sie ist nämlich auch Türkin. Quasi florale Völkerverständigung ?

Im Baumarkt wurde ich heute Morgen auch zu einer neuen Sozialstudie angeregt. Ich bin aus Versehen schon kurz vor zwölf im Laden gewesen – hier in der Gegend ist von 10-12 Uhr Senioren-Einkaufen, wegen Corona. Ist mir aber leider erst wieder ein- und aufgefallen, als ich in der Schlange zu den Einkaufswagen stand und mich wunderte, warum so viele ältere Herrschaften im Baumarkt sind. Nützt ja nix und wegen 10 Minuten bin ich nicht wieder nach Hause gefahren und es hat auch keiner was gesagt. Wahrscheinlich muss ich froh sein, dass mich keiner der älteren Herren angesprochen hat. Ich muss sagen, ich war ein wenig entsetzt, wie rau doch teilweise der Umgangston zwischen den älteren Paaren ist. Da wird nicht gesagt „Hilde, kannst du mal bitte schauen?“. Nein, da muss ein „Ey“, gefolgt von einem Kopfzucken in die Richtung des zu beschauenden Objektes ausreichen. Und wenn die Gattin dann nicht gleich reagiert, wird der Gemahl gleich grantig „Herrgott, machst du jetzt endlich. Mann, Mann, Mann.“ Und Hilde, so habe ich sie jetzt mal genannt, springt sogleich zu ihrem Göttergatten.
Da stellt sich mir die Frage, ist das eine Generationen- oder eine Respekts-Angelegenheit? Ab wann behandeln manche Männer ihre Frauen so herrisch? War das dann in den einzelnen Fällen schon immer so? Warum meinen diese Männer, sie könnten ihre Frauen ankeifen und rumkommandieren? Ja, ich weiß, Frauen machen das genauso und mitnichten schlechter. Aber mir geht es jetzt gerade wirklich um 3-4 Fälle, die ich heute Morgen im Baumarkt beobachten konnte und da waren es die Männer, die ihre Frauen so genervt fast schon bloßgestellt haben.
Ich kenne das noch von meinen Großeltern. Da war der Ton auch manchmal nicht ganz so freundlich. Und damals hat man mir erklärt, dass das die Generation ist. Aber was heißt das? In dem Fall, dass die Ehe schlicht extrem ernst und endgültig hingenommen wird. D. h. wenn heute teilweise nach den kleinsten Unstimmigkeiten, die Ehe-Flinte ins Korn geworfen wird, war es damals so üblich, dass man dem Mann eben wirklich bis zum Tod zur Seite gestanden ist. In guten, wie in schlechten Zeiten. Es gehörte sich nicht aufzugeben, zu gehen, die Ehe zu beenden. Was sollen denn die Leute denken? Dieser Bund wurde doch vor Gott geschlossen!
Ich bin keine Emanze, absolut nicht. Aber ich bin der Meinung, dass man heute ein bisschen mehr an zwischenmenschlichen Beziehungen arbeiten sollte und man den Frauen damals ein bisschen mehr Eigenverantwortung und Mitbestimmungsrecht hätte geben können. Man soll nichts sofort aufgeben, man muss auch mal kämpfen, sich bemühen und auch mal ein dunkleres Tal durchschreiten und das dauert dann vielleicht eine gewisse Zeit, aber ich denke, es kann sich immer lohnen. Trotzdem denke ich aber auch, sollte man an nichts, nur für den Schein, die Gesellschaft oder aus sonstigen Gründen, an etwas festhalten, womit man sich nicht wohl fühlt. Das macht krank und ist im Zweifel für alle Beteiligten schädlich.
Wahrscheinlich liegt der Kern der Sache, wie so oft, in der Mitte. Natürlich war und ist die Generation meiner Oma, geboren 1929, eine vollkommen andere als meine. Da gab es nicht die Freiheiten, in Sachen Ausbildung, Reisen, Meinung etc. für Frauen. So wie sie es immer erzählt hat, ging es nur darum, dass man ein anständiges Mädchen mit ausreichenden Fähigkeiten im Haushalt war, um eben dem Mann eine gute Ehefrau zu sein. Und wenn man dann geheiratet hat, dann musste man das auch durchziehen. Was aber absolut nicht heißt, dass ich nicht glaube, dass diese Ehen aus Liebe geschlossen wurden.
Am Ende habe ich dann aufgehört mir Gedanken zu machen. Vielleicht ist es ja so: Die Männer sind in der Öffentlichkeit ätzend zu ihren Frauen, weil „ICH BIN DER MANN“. Gut. Die Frauen, die kennen ihre Männer nach bestimmt knapp 50 Jahren Ehe (nehme ich jetzt mal als Beispiel) in und auswendig und wissen ihn zu nehmen. D. h. in so einer Situation, schenken sie es sich einfach, sich über diese Ausbrüche aufzuregen. Frei nach dem Motto „Ja, ja, du hast Recht und ich hab meine Ruhe.“. Irgendwie dann doch ein eingespieltes Team, weil sie weiß, dass er zu Hause dankbar ist, wenn sie den leckeren Streuselkuchen backt und sie weiß, dass er sich auch nach fast 50 Jahren noch über den Streuselkuchen freut. Vielleicht ist das eine Art Verschiebung von Respekt, eben weil man sich zu 100 % kennt. Immerhin sind die beiden um die 50 Jahre zusammen, da hat man mit Sicherheit einiges erlebt. Und das zeugt von viel Respekt und einer Generation, die kämpfen kann. Im Vergleich zur heutigen Generation „Tinder & Co.“ muss da man in jedem Fall den Hut ziehen.
Ich habe nichts gegen Online-Dating, aber ich mag es eben nicht, dass man sich teilweise nicht mehr bemüht, weil es fast schon nicht mehr nötig erscheint. Denn der nächste Flirt, Partner usw. ist nur einen Wisch bzw. Klick weit entfernt. Man bekommt den Eindruck, dass nichts mehr wirklich unter dem Aspekt der Verbindlichkeit entsteht, es ist irgendwie immer eine Wartestellung, ob nicht doch noch etwas besseres kommt, die Angst etwas zu verpassen.
Das mag ich nicht. Gefühle sind nicht zum Spielen da.

Zum Thema Respekt ist mir in den letzten Tagen noch etwas anderes aufgefallen. Was sind das für Menschen, die ihren Müll – und ich rede von Möbeln, Kleidersäcken, Autoreifen, eben alles was im Haushalt nicht mehr benötigt wird – einfach in den Wald oder an den Straßenrand werfen??? Ich meine, das ist kriminell! Die machen sich, vermute ich mal, nachts auf den Weg, um ihren Scheiß irgendwo abzuladen. Was glauben die denn, wer das weg macht? Oder was mit den Sachen passiert? Naja, die denken höchstwahrscheinlich gar nicht. Unmöglich finde ich sowas.
Ich würde sowas niemals tun, weil 1. Man macht es nicht und 2. Würde man mich zu 100% erwischen. Der größte Knaller war mal in Solingen auf einem recht großen Platz. Eine junge Familie, Vater, Mutter, zwei kleine Kinder. Die hatten sich eine Packung Eis mit verschiedenen Stil-Eis-Sorten gekauft und aßen diese nun auf dem Platz. Und als alles aufgegessen war, stellten sie die leere Box mit den Papieren und Stilen einfach auf den Platz, wo sie gerade standen und gingen fort. Ich war vollkommen perplex, bin dann aber hingegangen und habe höflich gefragt, ob sie denn nicht ihren Müll mitnehmen möchten. Ich wurde verwirrt angesehen und man fragte mich, wo sie denn damit hinsollten. Noch mehr Fassungslosigkeit. Gut, dann eben der Erklärbär: „Sie könnten es bis zum nächsten Mülleimer unten im Kinderwagen verstauen oder einfach mit nach Hause nehmen und dann da entsorgen, aber auf jeden Fall nicht hier.“. Recht motzig zogen sie dann mitsamt dem Müll ab.

Irgendwann enden wir dann alle wie in dem Film „Wall-E – Der letzte räumt die Erde auf“. Ein Pixar-Animationsfilm über einen kleinen Roboter der eben als letzter noch die Welt aufräumt. Die Menschen sind mittlerweile umgesiedelt auf ein riesiges Raum-Kreuzfahrtschiff. Da gibt es einfach alles, was der Mensch braucht oder eben auch nicht. Und das allerbeste – keiner muss sich mehr bewegen. Alle sitzen halb liegend in einer Art schwebenden Sessel, mit dem sie sich überall hinbewegen können und müssen nur sprechen oder max. einen Finger bewegen, um z. B. etwas zu Essen oder zu Trinken zu bekommen. Sie müssen natürlich nicht selbst essen oder trinken, es wird ihnen verabreicht. Die logische Konsequenz aus dieser Lebensweise: alle sind furchtbar dick und selbst wenn sie wollten, sie könnten sich gar nicht mehr bewegen. Sie haben es verlernt und ihre Muskeln sind verkümmert.
Im Film geht es noch um wesentlich mehr als um diese absurde Lebensweise. Kann man sich gut mal ansehen. Es ist auch eine ganz niedliche Liebesgeschichte zwischen dem kleinen Roboter Wall-E und Eve.
Ich musste heute an den Film denken, weil ich gelesen habe, dass in Asien das erste aufblasbare E-Bike erfunden wurde. Zusammengefaltet wiegt es nicht mehr als 5 kg und lässt sich in einem Rucksack bequem transportieren. Hört sich praktisch an, aber was ist verkehrt daran, sich aus eigener Kraft zu bewegen? Wozu haben wir Beine, Füße, Muskeln? Es heißt ja auch Bewegungsapparat – also sollten wir uns auch bewegen. Praktisch ist dieses E-Bike mit Sicherheit für Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht gut bewegen können oder sonst auf einen schweren Rollstuhl angewiesen sind. In solchen Fällen ist es eine super Sache und eine tolle Erleichterung für den Alltag. Aber genau diese Menschen wären wahrscheinlich auch dankbar, wenn sie einfach auf zwei gesunden Beinen laufen könnten.
Aber vielleicht ist es bei der Bequemlichkeit wie mit dem Zwischenmenschlichen. Wenn die Alternative so leicht zu bekommen ist, wird es einem schwer gemacht, sich aus eigener Kraft zu bemühen. Ich möchte mich aber weiterhin bemühen und auf Dinge, die ich erreicht und geschafft habe, Stolz sein können, weil ich es aus eigener Kraft geschafft habe – nur so kann man sich, wenn man weiß, wie schwer manche Wege sind, auch den Respekt vor Menschen und Dingen bewahren.

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